Infoabend Elterninitiative für angemessene Kita-Beiträge am 21.01.2016 im „mittendrin“

Diesen Donnerstag, 21.01.2016, durfte ich mich auf dem Infoabend der Elterninitiative „Stopp – Hände weg von Wedels Kitas“ vorstellen, zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Wedel“ referieren und Einblicke in mein Wahlprogramm geben. Die Mitglieder der Ratsfraktionen Lothar Barop (SPD), Petra Kärgel (Grüne) und Detlev Murphy (Linke) waren der Einladung der Elterninitiative ebenfalls gefolgt.

Zudem informierte Rechtsanwältin Angela Heinssen über das Normenkontrollverfahren gegen die Gebührenordnung der Stadt Wedel und betonte immer wieder „die mangelnde Transparenz der Stadtverwaltung“ bei der Beitragsordnung der Stadt Wedel. Diese sei nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts Schleswig nicht verbindlich. Daher lehnte das Gericht auch das Normenkontrollverfahren ab. Begründung: Es handle sich bei der Gebührenordnung nicht um eine Norm im juristischen Sinne. Die Elterninitiative prüft nun gemeinsam mit ihrer Anwältin, wie hier weiter vorgegangen werden kann. Auch Dr. Murphys Rat: „Haben Sie einen langen Atem“ hält die Eltern nicht vom Weiterzukämpfen ab.

Ich persönlich finde es demotivierend, dass es sich bei solchen Verfahren um jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen handelt. Denn insbesondere in der Lebensphase, in der die Kinder klein sind und man beruflich am Beginn seiner Karriere steht, ist das Geld in der Familienkasse knapp. Zeit und Geld sind Ressourcen, die insbesondere für junge Familien sehr eng bemessen sind. Dies sollten sich alle Beteiligten vor Augen halten und im Interesse der Kinder handeln.

Ein Vater von drei Kindern bestätigte, dass er bereits resigniert habe. Seit Jahren sitze er regelmäßig in den BKS-Sitzungen (Ausschuss für Bildung, Kultur und Soziales) im Rathaus und er habe nicht das Gefühl, dass sich in der Politik in Wedel etwas geändert habe. Die Zahlen belegen es, die Beiträge sind in den letzten drei Jahren um 20 Prozent gestiegen und der Wegfall der neunten Betreuungsstunde erhöht die Doppelbelastung, Kinder und Job unter einen Hut zu kriegen, immens. Ein anderer Vater berichtete mir, dass sie erst vor kurzen in Wedel gebaut haben, da dies für die Familie günstiger ist als eine Mietwohnung. Jetzt mit dem zweiten Kind steigt die Angst, die monatlichen Raten nicht mehr zahlen zu können. Derartige Bekenntnisse von Eltern aus allen Altersgruppen machen mich betroffen und bestärken mich in meinem Entschluss, Wedels erste Bürgermeisterin zu werden und mich für die Interessen der Familien in Wedel einzusetzen.

Die Medienresonanz war riesig und so erschienen am heutigen Samstag auch gleich mehrere große Artikel im Hamburger Abendblatt und im Wedel-Schulauer-Tageblatt.

An dieser Stelle meine Rede zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf:

Liebe Eltern, liebe Wedeler BürgerInnen,

bei der kommenden Bürgermeisterwahl am 28. Februar 2016 geht es um nichts weniger als um die Zukunft unserer Stadt. Deswegen wünsche ich mir, dass möglichst viele die Chance ergreifen, ihre Stimmen zu nutzen. Wedel steht an einem Wendepunkt.

Meine Vision von Wedel: familienfreundlich, transparent, wettbewerbsfähig. Ich sehe die Familien als einen zentralen Anker der modernen Gesellschaft. Ein gutes Leben für Kinder, Eltern und Großeltern ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich möchte, dass Familien entlastet und wieder wertgeschätzt werden. Und ich möchte die Familie als einen ganzheitlichen Faktor für ein besseres Wedel betrachten

DENN:

  • Wenn Familien entlastet werden, stehen sie dem Arbeitsmarkt als motivierte Arbeitnehmer zur Verfügung und machen den Wirtschaftsstandort Wedel attraktiver.
  • Werden Familien finanziell entlastet, steigert dies die Kaufkraft und den Konsum, was sich in Umsatzsteigerungen des Wedeler Einzelhandels niederschlägt.
  • UND: Nur wenn Familien entlastet werden, kann eine gesunde und zukunftsfähige Sozialstruktur in Wedel entstehen.

Und darum möchte ich heute zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen, und vor allem darüber, dass man diese in Wedel verbessern muss.

Für mich ist das auch ein persönliches Thema. Ich bin gelernte Bankkauffrau und studierte Medienwirtin und arbeite gern in meinem Beruf. In Mainz, wo ich lange zu Hause war, habe ich in der Verwaltung, unter anderem in der Abteilung Regionalförderung der Investitions- und Struktur-Bank Rheinland-Pfalz gearbeitet. Hier war ich verantwortlich für die Vergabe von EU- und Landesmitteln in Form von Zuschüssen oder Darlehen in strukturschwachen Regionen.
Durch das Studium der Medienwirtschaft habe ich mir nochmals neue berufliche Perspektiven geschaffen. Seit 2008 arbeite ich in einer Hamburger Agentur im Projektmanagement in leitender Position.

Nun zu meiner Familie: 2006 habe ich meinen jetzigen Ehemann Oliver Wittburg kennengelernt. Durch Oliver, der in Wedel aufgewachsen ist, bin ich seither selbst in Wedel verankert. Anfang 2013 haben wir uns hier fest niedergelassen. Mit unseren beiden Töchtern, Eltern, Omas, Schwägerin und Schwager und Freunden fühlen wir uns in unserer neuen alten Heimat sehr wohl.

Mein Mann und meine Kinder sind für mich das Wichtigste. Ihre Liebe und Unterstützung sind meine persönliche Motivation, sowohl im Beruf als auch in meiner Mutterrolle alles zu geben.

Dennoch habe ich gemerkt, wie schwierig der Spagat zwischen Familie und Beruf sein kann. Nicht nur im Arbeitsumfeld, wo man neue Hürden meistern und kritischen Blicken standhalten muss. Sondern auch im Familien- und Freundeskreis, deren Anforderungen man nicht immer gerecht werden kann. Und natürlich habe ich gemerkt, wie teuer das Leben als junge Familie in Wedel ist und wie belastend sich dieser finanzielle Druck anfühlt.

In meinem Alltag kann ich auf die Unterstützung meiner Familie, vor allem aber auf die Betreuungsmöglichkeiten der Kindertagesstätten zurückgreifen. Hier wurde in Wedel viel getan, aber es gibt ebenso Schattenseiten.

Wenn ich mich morgens in meiner Kita umblicke, sehe ich gestresste Eltern, die ihre Kinder gehetzt abgeben. Und am Nachmittag mit müden Gesichtern aus der Kinderbetreuung abholen und sich am Ende des Tages immer wieder fragen, ob sich das alles überhaupt lohnt. Denn Familie und Beruf hier in Wedel unter einen Hut zu bekommen ist schwer und vor allem sehr teuer.

Auch die Kitaleitungen und die Erzieher kennen das Gefühl, wenn sich dieser alltägliche Stress der Eltern zwangsläufig regelmäßig bei den Mitarbeitern der Kitas entlädt.

Es gibt keine flexiblen Betreuungszeiten, die ein größeres Zeitfenster eröffnen, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Seien es die Besprechung mit dem Chef, die Dienstreise oder ein Stau auf dem Heimweg. Für jede halbe Stunde, die einen der Job außer der Reihe abverlangt, bittet die Gebührenordnung der Stadt Wedel zur Kasse.

Doch, wie wir alle wissen und auch gerade gehört haben, ist die Gebührenordnung ein großes Problem für junge Familien. In vielen Gesprächen mit Eltern und auch durch meine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Kreiselternvertretung weiß ich von den enormen Belastungen, die die Familien hier tragen müssen. Bei vielen Familien geht das Gehalt eines Elternteils Großteils für die Kinderbetreuung drauf. Und auch die Mieten in Wedel sind alles andere als günstig. Und oft sind es gerade die Frauen, Frauen wie ich, die das Gefühl haben, sich im Kreis zu drehen. Zerrissen zwischen dem Gefühl, das sich die Anstrengungen nicht lohnen, und dem Wunsch sich im Beruf zu verwirklichen, wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur fast unerträglichen Herausforderung. Besonders wenn man sich am Ende des Monats fragt, ob sich das überhaupt rechnet: Betreuungskosten, Fahrtkosten und die emotionale Belastung. Denn häufig werden Mütter, die sich beruflich engagieren als schlechte Mütter empfunden, unabhängig davon, wie wertvoll sie die Familienzeit gestalten. Und zu häufig werden die, die sich ganz gegen Beruf und für die Familie entscheiden, belächelt oder sogar verunglimpft, obwohl Erziehung und Haushalt enorme Anstrengungen und große Einsatzbereitschaft, Kreativität und Organisationstalent fordern. Für jedes Familienmodell wünsche ich mir an dieser Stelle mehr Offenheit, mehr Verständnis und mehr Unterstützung.

Fakt ist jedoch, dass in vielen Familien längst nicht mehr nur ein Einkommen ausreicht. Vor allem in sozialen und handwerklichen Berufen, im Mittelstand, ist das Alleinverdienermodell unmöglich, um einen sicheren Lebensstandard zu führen und vorzusorgen. Der Kitaplatz ist eben nicht nur ein Bildungsangebot, sondern er sichert auch das Einkommen und die Selbstständigkeit von Familien. Aber er ist auch ein wichtiger Faktor für eine gleichberechtigte Partnerschaft. Sei es, dass sich beide verwirklichen können, oder dass der Druck die eigene Familie zu ernähren, nicht nur auf den Schultern eines Elternteils lastet.

Aber auch wenn ich in die Zukunft blicke, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein zentrales Thema. Frauen mit kleinen Kindern sind kaum berufstätig, wenn dann meist in Teilzeit, sie bekommen wesentlich weniger Gehalt, werden seltener befördert, was die weitere Laufbahn nachhaltig beeinflusst und ohnehin nur höchst selten in der Chefetage endet. Mütter sind stärker von Armut, insbesondere von Altersarmut, betroffen als alle anderen Mitglieder unserer Gesellschaft.

Das Thema der Kindertagesstätten betrifft damit auch grundsätzliche Wahlmöglichkeiten. Niemand sollte die Entscheidung für oder gegen Kinder von so etwas wie Kitagebühren abhängig machen müssen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass viele in eine solche Situation geraten. Dies ist auch ein Ergebnis der Umfrage der Kreiselternvertretung. Gemäß dieser verzichten 27 Prozent der Familien auf ein weiteres Kind, oft bereits auf das zweite Kind, aufgrund der aktuellen Betreuungssituation im Kreis Pinneberg.

In den letzten 12 Jahren sind in WEDEL viele Entscheidungen getroffen wurden, die das Problem verschärfen und die ich als nicht familienfreundlich empfinde.

In Wedel haben junge Familien in den letzten 3 Jahren massive Erhöhungen und gleichzeitig Einschnitte in der Flexibilität hinnehmen müssen.

Es wurde über eine Viertel Million Euro eingespart in Form von Essengeldzuschüssen (160.000 Euro), KiTa-Sozialarbeit (50.000 Euro) und die Kürzung der KiTa-Ganztagsbetreuung von neun auf acht Stunden (50.000 Euro), wobei diese Einsparung durch daraus resultierende Personalkürzungen noch wesentlich höher ausfallen wird. Monatlich bedeutet das für eine Familie mit zwei Kindern eine finanzielle Mehrbelastung von knapp zweihundert Euro.

Auf der anderen Seite wurden über 10 Millionen Euro für den Hafenausbau an Mehrkosten bewilligt, und das teils wegen schlechter Planung. Und hier ist noch kein Ende in Sicht.

Ich werde mich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen. Und hierunter begreife ich

  • Ein transparentes, faires und familienfreundliches Gebührensystem, mit höherer Geschwisterermäßigung, einer besseren Sozialstaffel, günstigeren Zusatzangeboten und dem Ziel, dass keine Familie mehr als 10 Prozent ihres Nettoeinkommens für Gebühren aufbringen muss
  • Keine Erhöhung der Beiträge für die Schulkindbetreuung und auch hier die Berücksichtigung des Geschwisterbonus
  • Ein flexibles Betreuungssystem, das die Qualität hoch hält. Ich möchte, dass die Mitarbeiter wertgeschätzt werden und ihre Arbeit mit größtmöglicher Unterstützung ausüben können. Die Wahlmöglichkeit zwischen Tagespflege und Kita gehört ebenso dazu, wie ein günstigeres Angebot für Früh- und Spätdienste. Die Erwartungshaltung der Eltern ist hoch, hier werde ich auf die Kita-Leitungen zugehen und versuchen gemeinsam Lösungen erarbeiten.
  • Transparenz in der Kita-Finanzierung und aller städtischen Aufgaben. Dazu gehört es auch Zuschüsse richtige einzuwerben und zu verteilen. In Kreis und Land für die Familien und ihre Belange einzustehen und sich dafür stark zu machen. Nicht zu dulden, dass Kitas erst Jahre später ihre Zuschussberechnungen erhalten oder Eltern monatelang auf die Berechnung ihrer Sozialstaffelanträge warten müssen.
  • Die Verbesserung von Mobilität in Wedel. Denn dieses ist ein Schlüsselfaktor, der jeden betrifft. Die Wege von Wohnung zur Kita, zur Schule, zum Arbeitsplatz sind lang und in Wedel zudem sehr stark frequentiert. Radwege sind nicht genug ausgebaut, die Busse fahren zu unregelmäßig, zu wenige Viertel an und zu selten. Die Möglichkeit öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, sind auch durch fehlende Park and Ride Möglichkeiten und unzureichende Schnittstellen stark eingeschränkt. Man ist hier oft auf das Auto angewiesen.

Ich werde mich für ein neues Verkehrskonzept einsetzen und hier die Bedürfnisse sorgfältig prüfen. Hierzu gehören etwa eine zweite S-Bahn-Station in Wedel, ein regelmäßiger Shuttle zum Bahnhof Pinneberg, dichtere innerstädtische Busverbindung und Versorgung der Neubaugebiete (Schwartenkamp, Buchsbaumweg). Des Weiteren setze ich mich für sichere Schulwege ein. Auch die Firmen und Industrie in Wedel sind auf eine gute Infrastruktur angewiesen, die in vielen Fällen noch nicht gegeben ist.

  • Die Schaffung und Förderung von bezahlbarem Wohnraum. Das entlastet nicht nur die Familien.

Wedel steht jetzt an einem Wendepunkt. Soll es so weitergehen, wie in den letzten 12 Jahren oder möchten Sie das Leben in Wedel aktiv mitgestalten. Sie haben jetzt die Möglichkeit mitzubestimmen, wie es mit Wedel weitergeht. Gemeinsam können wir vieles in Wedel bewegen!

Treffen Sie Ihre Wahl am 28.02.2016 weise!

Ihre Bürgermeisterkandidatin Claudia Wittburg

Fotos: privat (Angela Heinssen und Claudia Wittburg auf dem Infoabend am 21.01.2016)

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